Antientzündliche Ernährung
Dieses Thema ist zurzeit „in aller Munde“, aber neu ist es deshalb trotzdem nicht. Gut ist aber, dass die antientzündliche Ernährung überhaupt einmal im Fokus der Aufmerksamkeit steht. Nehmen doch Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, dementielle Erkrankungen und Krebserkrankungen zu. Aber wie hängt das zusammen?
Oxidation + oxidativer Stress
Oxidation, also die Anlagerung von Sauerstoff, ist per se erst einmal nichts Schädliches. Denken wir an den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin), der in den Lungenalveolen Sauerstoff aufnimmt und unsere Körperzellen mit diesem Sauerstoff versorgt. Das ist lebensnotwendig, denn ein Zuwenig an Sauerstoff würde uns erheblichen Stress bereiten.
Geben Moleküle unseres Stoffwechsels jedoch ungewollt Elektronen an Elektronenfänger wie Sauerstoff ab, wie im Rahmen einer „feindlichen Übernahme“, dann verlieren sie durch diesen Elektronenklau ihre Stabilität. Sie werden zu „freien Radikalen“, die in ihrem dann unruhig aggressiven Zustand zu einer leichtgradig chronischen Entzündung führen – ein Schwelbrand in unserem Körper. Dieser „chronisch oxidative Stress“ kann dann zu Zellschäden, Zellalterung und Krankheit führen. Auch sollen sich aus oxidativem Stress erhöhte Insulinresistenz und diabetische Stoffwechsellage ergeben können.
Oxidativer Stress – die Ursachen
– UV-Licht, Ozon
– Umweltgifte (Abgase, Feinstaub, Pestizide …)
– Alkohol, Rauchen
– negativer Stress (Arbeitsdichte, psychische Belastung, digitaler Stress …)
– Schlafmangel
– exzessiver Sport
– zu viel Zucker, tierisches Fett, Convenience-Produkte
– gestörte Darm-Barriere
Gestörte Darmbarriere (Leaky Gut Syndrom)
Unsere Darmschleimhaut inclusive ihrer Schleim- und Bakterienschicht verhindert das Eindringen fremder Bestandteile in das Blut. Ist diese Darmbarriere in ihrer Zusammensetzung gestört oder sogar mikroskopisch löchrig, dann können Moleküle in unser Blut gelangen, die dort nicht hingehören, unser Immunsystem herausfordern und zu einer chronischen Entzündung auf niedrigem Level führen. Zu den Verursachern gehören Fehlernährung, Stress, Alkohol, Rauchen, Infektionen, gestörte Darmflora und einige Medikamente.
Schon lange bringt man Autoimmunerkrankungen (wie Rheuma) mit einer gestörten Darmbarriere in Zusammenhang. Heute gehen die Erkenntnisse noch weiter. Eine defekte Darmbarriere kann über Entzündungsvorgänge die Blut-Hirn-Schranke schwächen, oxidativen Stress im Gehirn verursachen, Immunzellen im Gehirn aktivieren und Nervenschädigungen auslösen. Diese Vorgänge führen zur sogenannten Neuroinflammation. Damit einhergehen können Störungen der Aufmerksamkeit und Konzentration bis hin zu dementieller Entwicklung.
Antientzündliche Ernährung
Antioxidantien, wie z.B. Vitamin C, E und Sekundäre Pflanzenstoffe fangen Radikale ab und inaktivieren sie. So können sie Entzündungsprozesse dämpfen und in Schach halten. Dazu kommen Omega 3-Fettsäuren, die in der Lage sind, entzündungtriggernde Biomediatoren zu hemmen. Und eine gesunde Darmflora schützt uns zusätzlich vor fremden Molekülen und Strukturen aus dem Darmlumen.
Man hat gefunden, dass sich eine antientzündliche Ernährung besonders gut auf das Metabolische Syndrom und auf Rheuma auswirkt, nicht jedoch auf Infektionen.
Was kann ich als Vegetarier:in / als Veganer:in tun?
Als Vegetarier:in / als Veganer:in machst du wahrscheinlich schon vieles richtig.
Überprüfe noch, wie es in deiner Ernährung mit Ballaststoffen, Probiotika, Omega 3-Fettsäuren und Kurkuma bestellt ist. Für eine antioxidative Ernährung solltest du folgende Produkte regelmäßig zu dir nehmen:
– Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse + Samen
– darmfreundliche Lebensmittel, das sind solche mit
– viel Ballaststoffen (wie Vollkornbrot) und
– Probiotika wie Joghurt, Kefir, Veggie-Joghurt, Kimchi, Sauerkraut
– Omega 3-fettsäurereiche Lebensmittel (Leinöl, Rapsöl, Walnussöl) und
– Kurkuma
Kurkuma – das gelbe Antioxidans
Kurkuma wird aus der gelben Kurkumawurzel gewonnen. Ihr Wirkstoff Curcumin wirkt antoxidativ und entzündungshemmend. Es ist jedoch noch nicht ausreichend erforscht, ob das isolierte Curcumin genauso gut wirkt wie die gemahlene Gelbwurzel mit ihrem Gesamtgehalt an Wirkstoffen.
Wollen wir die antioxidative Wirkung von Kurkuma nutzen, dann sollten wir das mit der gemahlenen Gelbwurzel tun, die sowieso in jedes Gewürzregal gehört. Weitere Wirkungen, wie auf die Fettwerte oder den Blutzucker sollten wir uns jedoch nicht erhoffen. Auch gibt es für diese Stoffwechselstörungen ja wirklich bekannte und gut wirksame Maßnahmen.
Das Rezept für einen Kurkuma-Leinöl-Shot findest du hier.
Die Dosis macht das Gift
Bitte Vorsicht mit käuflichen Kurkumapräparaten! Ich hatte mal eine Patientin, die aufgrund hoher Leber- und Gallenblasenwerte ins Krankenhaus eingewiesen worden war. Es ging ihr deutlich schlecht, die Augen wurden schon gelb (nicht vom Kurkuma, sondern vom Blutabbaufarbstoff Bilirubin) und sie war zeitweise somnolent (schläfrig und schwer weckbar). Trotz aller Untersuchungen fanden wir keine Erklärung für die bedenklich hohen Werte. Erst eine erneute intensive Befragung ergab, dass sie regelmäßig ein Kurkumapräparat in höherer Dosis eingenommen habe, in der Hoffnung, ihre Blutzuckerwerte damit verbessern zu können. Sie habe es auch im Krankenhaus weiter eingenommen es jedoch nicht angegeben, da sie es nicht als Medikament angesehen habe. Mit Absetzen der Kurkumakapseln gingen die erhöhten Werte dann zurück und der klinische Zustand der Patientin normalisierte sich.
vegetarisch.kompakt-billeburg.de